Arbeitsgruppe Rebenzüchtung
Auf Grund der im 19. Jahrhundert aus Nordamerika eingeschleppten Mehltaukrankheiten ist in Europa ein Anbau traditioneller Rebsorten ohne Pflanzenschutz nicht möglich, da diese alle gegenüber den Mehltaukrankheiten hoch anfällig sind. Hauptziel der Rebenzüchtung ist daher die Entwicklung neuer Sorten, die hinsichtlich der Weinqualität unseren traditionellen Rebsorten entsprechen und gleichzeitig eine hohe Resistenz vor allem gegenüber Mehltaukrankheiten, aber auch gegenüber anderen Schädlingen/Schaderregern aufweisen. Hierzu werden die in dem Genpool der amerikanischen und asiatischen Wildarten vorhandenen Resistenzeigenschaften züchterisch genutzt. Allerdings haben diese Wildarten vielfach eine durch negative Aromakomponenten bedingte unbefriedigende Weinqualität. Die züchterische Aufgabe ist die genetische Entkoppelung von Resistenz und geringer Weinqualität, so dass letztlich nur die Resistenzmerkmale in den Genpool traditioneller Qualitätssorten eingelagert werden. In dem traditionellen Zuchtablauf ist dies allerdings sehr schwierig und langwierig. Es ist jedoch zu erwarten, dass die Entwicklung von Frühdiagnoseverfahren mittels molekularer Marker den Zuchtablauf zukünftig erheblich beschleunigen und effizienter gestalten wird.
Auch im Hinblick auf Dauerhaftigkeit der Resistenzen wird die Züchtung durch den Einsatz von molekularen Markern im Rahmen der markergestützten Selektion erheblich unterstützt. Verschiedene, mit molekularen Markern korrelierte Resistenzquellen lassen sich auf diese Art in einer neuen Sorte kombinieren, was einerseits zu einer Steigerung des Resistenzgrades und andererseits zu einer erhöhten Stabilität der Resistenz beitragen kann.
In Deutschland ist Regent die erste aus der Resistenzzüchtung hervorgegangene Rotweinsorte, die für die Qualitätsweinerzeugung zugelassen wurde. Sie entspricht in hohem Maße dem Zuchtziel der Kombination von Resistenz und Qualität). Der Anbau von Regent bedeutet eine beträchtliche Reduktion des Pflanzenschutzes, was sowohl aus ökonomischer Sicht als auch aus ökologischer Sicht äußerst positiv zu bewerten ist. Regent bietet somit zukunftsweisende Perspektiven für einen umweltfreundlichen und nachhaltigen Weinbau.

