Arbeitsgruppe Bio- und Gentechnologie Obst
Biotechnologische, einschließlich gentechnische Verfahren stellen eine methodische Erweiterung für die klassische Pflanzenzüchtung dar. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, Zuchtziele zu realisieren, die mit klassischer Züchtung allein nicht oder nur unvollständig erreicht werden können. Bei der klassischen Züchtung, der Kreuzung, werden Gene und damit Merkmale von zwei Elternformen in den Nachkommen nach den Regeln der Vererbung unabhängig voneinander neu kombiniert. Es bleibt immer dem Zufall überlassen, welche Merkmale in den Nachkommen zum Ausdruck kommen und welche verloren gehen. Anschließend werden die Nachkommen mit den bevorzugten Kombinationen der Gene und der gewünschten Ausprägung des Merkmals selektiert. Mit Hilfe bio- und gentechnischer Verfahren können bestimmte Merkmale aus einer Pflanze entfernt, verstärkt oder neu eingebracht werden.
Die Arbeiten waren in den letzten Jahren auf die Verbesserung der Feuerbrandresistenz bei Apfel fokussiert. Gegenwärtig steht die Herstellung von cisgenen Apfelpflanzen im Mittelpunkt. Bei ihnen stammen sowohl die kodierenden als auch die regulierenden Sequenzen der übertragenen Gene aus der Gattung Malus (Apfel) selbst.
Darüber hinaus werden gentechnische Methoden auch zur Aufklärung von Genfunktionen eingesetzt. Ziel ist, einzelne Gene oder Allele von Genen zu identifizieren, die für die Ausprägung wertbestimmender Eigenschaften maßgeblich verantwortlich sind. Mit Hilfe dieser Informationen können zukünftige Zuchtprozesse effektiver gestaltet und die Selektion von möglichen Sortenkandidaten wesentlich vereinfacht und beschleunigt werden.
Eines der wichtigsten Probleme für den Gehölzzüchter besteht in der langen juvenilen Phase des Baumes, die beim Apfel vier bis zehn Jahre dauern kann. In dieser Zeit sind die Nachkommen einer Kreuzung nicht in der Lage Blüten zu bilden und es können keine weiteren Kreuzungsschritte realisiert werden. Gentechnische Verfahren können diese juvenile Phase bei Apfel entscheidend verkürzen, indem ganz gezielt die Mechanismen der Blühinduktion beeinflusst werden.

