IUCN veröffentlicht Europäische Liste gefährdeter Wildpflanzenarten
Das Interesse und die Verantwortung der Landwirtschaft an der Erhaltung von Biodiversität endet nicht am Feldrand: Außerhalb der landwirtschaftlichen Nutzflächen kommen Wildpflanzenarten vor, die wichtige genetische Ressourcen für die Züchtung von widerstandsfähigen, leistungsfähigen und an den Klimawandel angepassten Kulturpflanzensorten darstellen. Im Rahmen eines von der EU-Kommission geförderten Projekts bewerteten 198 Experten, darunter auch Wissenschaftler des JKI, den Erhaltungszustand europäischer Wildpflanzenarten. Der nun veröffentlichten Roten Liste zufolge sind von den 1826 nach IUCN-Kriterien klassifizierten Wildpflanzenarten 467 Arten in ihrem Bestand bedroht.
Als züchterische Ausgangsressourcen sind die in naturbelassenen Lebensräumen vorkommenden, mit unseren Kulturpflanzen verwandten Wildpflanzenarten (WVK) von besonderer Bedeutung. Innerhalb der EU-27 sind 10,5 % aller bewerteten WVK gefährdet. Dieser Prozentsatz variiert stark in Abhängigkeit von der Kulturpflanzengattung. Spitzenreiter ist die Gattung Beta (mit diversen Beta-Rüben als Kulturformen) mit 50 % gefährdeten Arten, gefolgt von Asparagus (Spargel) mit 26 %, den Brassica-Arten (Raps, Kohl) mit 18 %, Hafer (15 %) und Weizen (12 %).
In der Gruppe der gefährdeten Arten befinden sich überwiegend endemische, d. h. nur in Europa und oftmals in sehr begrenzten Arealen vorkommende Species, die von Bedeutung für Landwirtschaft und Agrarforschung sind. So ist die Wildrübe Beta patula für die Rübenzüchtung eine Quelle wichtiger Krankheitsresistenzen. Eine andere Wildrübe, Beta nana, ist ein Modellorganismus für die Pflanzengenomforschung und diverse Kohlwildarten der Gattung Brassica sind in der Pflanzenzüchtung bereits zur züchterischen Resynthese der Öl- und Eiweißpflanze Raps verwendet worden.
Für die Bewertung von Wildarten aus den Gattungen Avena, Brassica und Beta nutzte das IUCN unter anderem Daten und Informationen, die im AEGRO-Projekt entstanden. Dieses vom Julius Kühn-Institut koordinierte EU-Vorhaben (http://aegro.jki.bund.de/aegro/) ist ein Beispiel für erfolgreiche Kooperation von Agrarforschung und Artenschutz mit dem Ziel, den Austausch von Daten und Wissen zu erleichtern.
Die European Red List of Vascular Plants finden Interessenten unter:
http://ec.europa.eu/environment/nature/conservation/species/redlist/downloads/European_vascular_plants.pdf.
Details zur Bewertung stehen in einer Datenbank bereit: http://www.iucnredlist.org/europe.
