Biologie von Schadorganismen und Unkräutern
Untersuchungen zur Biologie und Populationsdynamik sowie Epidemiologie von Schadorganismen und Unkräutern als Grundlage für die Pflanzenzüchtung und den gezielten Pflanzenschutz
Für die Landwirtschaft, einschließlich Acker-, Garten- und Weinbau sowie Forst, sind fortgesetzte Bemühungen zur Weiterentwicklung eines nachhaltigen Pflanzen- und Vorratsschutzes, insbesondere zur Verringerung des Risikos des chemischen Pflanzenschutzes erforderlich. Detaillierte Kenntnis über die Biologie von Schadorganismen und ihre Lebensweise gehören zu den wichtigsten Voraussetzungen sowohl eines erfolgreichen Pflanzenschutzes als auch einer erfolgreichen Resistenzzüchtung. Ohne Kenntnisse zu den Ursachen von Krankheiten, der Biologie der Krankheitserreger und Schädlinge sowie der Wechselbeziehung zwischen Schadorganismen und Wirtspflanze, der Ausbreitung, des Infektionszeitpunktes oder der Sporenbildung bei Pilzen lässt sich weder durch biologische Verfahren noch mit Methoden des chemischen Pflanzenschutzes gezielt und mit ausreichender Wirksamkeit in den natürlichen Ablauf einer Schaderregerentwicklung eingreifen.
Auch reicht es nicht aus, ausschließlich Daten über den Krankheitserreger, den Schädling oder das Unkraut zur Verfügung zu haben. Bei der Bewertung eines Krankheitsvorganges oder der Gradation eines Schädlings sind Informationen über die Anfälligkeit und Resistenzreaktion der Pflanze erforderlich. Bei der Darstellung der Biologie eines Schaderregers ist also zwangsläufig auch die Wirtspflanze mit einzuschließen. Außerdem wird der Ermittlung des Antagonistenspektrums eines Schaderregers große Bedeutung beigemessen. Nur bei genauer Kenntnis der natürlichen Wechselbeziehung zwischen Schaderregern und Antagonisten können aussichtsreiche Bekämpfungsstrategien, z. B. durch integrierte Verfahren, entwickelt und zielorientierte Programme der Resistenzzüchtung verwirklicht werden.
Verfahren der Resistenz von Kulturpflanzen müssen ebenso wie Verfahren des Pflanzenschutzes für die jeweiligen Erreger, Schädlinge und Kulturen entwickelt werden. Die Themen müssen flexibel den Erfordernissen der landwirtschaftlichen Praxis entsprechend angepasst werden. Beispielsweise können Schädlinge durch veränderte Anbautechniken, weniger breit wirkende Pflanzenschutzmittel oder durch auftretende Pflanzenschutzmittelresistenz, wie z. B. beim Rapsglanzkäfer, plötzlich zu schwerwiegenden Schäden führen. Bei der Lupine stellte das Auftreten der Anthraknose den Anbau dieser Kulturart in der deutschen Landwirtschaft sogar in Frage.
Wichtig ist die Kenntnis der Biologie von Schadpilzen auch zur Vermeidung der Mykotoxinbildung, damit der landwirtschaftlichen Praxis Maßnahmen zur Vermeidung empfohlen werden können. Zu diesen Faktoren zählt das Wissen über die Mykotoxin bildenden Fusarium-, Aspergillus- und Penicillium-Arten bzw. -stämme und die Einflussgrößen auf die Mykotoxinbildung, wie z. B. Klima- und Standortfaktoren. Aufbauend auf dem Wissen über die Epidemiologie der Schadpilze und der Mykotoxinbildung werden Prognoseverfahren, Bekämpfungsschwellen und andere Entscheidungshilfen für den Pflanzenschutz, z. B. für die gezielte Anwendung wirksamer Fungizide, und für die Lagerhaltung erarbeitet. Damit wird ein Beitrag zur Reduzierung des chemischen Pflanzenschutzes geleistet. Diese Thematik ist ein Beispiel dafür, dass nur übergreifende Zusammenarbeit die jeweiligen Probleme lösen kann.
