Roggen und Sorghum als alternative Energiepflanzen
1. Einführung
Nachwachsende Rohstoffe (NR) sind land- oder forstwirtschaftlich erzeugte Produkte, die nicht als Nahrungs- oder Futtermittel Verwendung finden. Sie werden energetisch zur Erzeugung von Wärme, Strom oder Kraftstoffen, aber auch stofflich zur Erzeugung industrieller Produkte genutzt. Energiepflanzen, häufig synonym auch als Biomassepflanzen bezeichnet, werden ausschließlich für die energetische Nutzung angebaut. Die energetische Nutzung basiert vollständig auf heimischen NR. Die Bedeutung der NR für die deutsche Landwirtschaft zeigt sich daran, dass sich die Fläche für landwirtschaftlich erzeugte Biomasse- und Energiepflanzen in den letzten zehn Jahren verdreifacht hat. Durch die Nutzung von landwirtschaftlich erzeugten NR wird nicht nur die Wertschöpfung in der deutschen Landwirtschaft verbessert, sondern auch die Importabhängigkeit der Industrie gemindert. Nicht zuletzt leisten NR einen Beitrag zum Klimaschutz. So wurde im Jahr 2009 in Deutschland durch den Einsatz von Biomasse zur energetischen Nutzung CO2-Emission in Höhe von ca. 58.000 t vermieden.
Der effiziente Einsatz von NR verlangt eine optimale Anpassung der Rohstoffpflanzen an den Verwendungszweck. Das betrifft pflanzenbauliche Eigenschaften – in erster Linie hohe Hektarerträge, aber auch Widerstandsfähigkeit gegen Pflanzenkrankheiten und Stressbedingungen zur Gewährleistung von Ertragsstabilität – ebenso wie die Quantität und Qualität von prozesstechnisch relevanten Inhaltsstoffen wie z. B. Öl, Stärke, Protein oder das Biogasbildungsvermögen.
Die Anpassung von Rohstoffpflanzen an den jeweiligen Verwendungszweck und an die Anforderungen, die in punkto Nachhaltigkeit an die Pflanzenproduktion gestellt werden, ist die Aufgabe der Pflanzenzüchtung. Züchtung und Züchtungsforschung müssen Wege zur Züchtung von Sorten aufzeigen, die den vielfältigen Anforderungen an nachwachsende Rohstoffe gerecht werden. Dieser Aufgabe stellt sich auch das Julius Kühn-Institut.
