Abdrift-Eckwerte
Abdrift ist bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln völlig unerwünscht, aber leider kaum vermeidbar. Die Regel ist, je kleiner die Tropfen, desto mehr driften sie durch Windbewegung ab, aber desto besser ist auch die Benetzung der Pflanzen. Für die Tropfengröße sind die Düsen an den Pflanzenschutzgeräten verantwortlich. Mit den Abdrifteckwerten werden die Geräte hinsichtlich ihrer Abdrift beurteilt, was im Zulassungsverfahren von Pflanzenschutzmitteln von Bedeutung ist.
Neue Abdrifteckwerte im Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel
Die Bewertung der Pflanzenschutzmittel hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Nichtzielorganismen erfolgt in Deutschland seit 1995 anhand der im Heft 305, Studies on the spray drift of plant protection products, der Mitteilungen aus der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft veröffentlichten Abdrifteckwerte. Diesen Eckwerten lagen Ergebnisse von 119 Abdriftversuchen aus den Jahren 1989 bis 1992 zu Grunde, aus denen das 95. Perzentil berechnet wurde. Durch Rundung dieser 95. Perzentile auf eine Nachkommastelle ergaben sich die Abdrifteckwerte.
In Ergänzung zu den oben genannten Abdriftversuchen wurden in den Jahren 1996 bis 1999 eine Reihe weiterer Versuche im Ackerbau und im Obstbau durchgeführt. Bei diesen Versuchen konnte eine verbesserte Messtechnik eingesetzt werden, die es erlaubte, Messwerte sicher zu bestimmen, die um den Faktor 10 unter den bisherigen messbaren Werten liegen. Somit waren Bodensedimentwerte kleiner als 0,01 % des Aufwandvolumens, wie sie in größeren Entfernungen auftreten, messbar. Daher wurden die Messentfernungen bei den genannten Versuchen teilweise bis auf 100 m von der behandelten Fläche ausgedehnt, was zu einer wesentlich sichereren Aussage über den Verlauf der Abdriftkurve geführt hat.
Insgesamt stehen nun im Ackerbau Ergebnisse aus 50 Versuchen und im Obstbau aus 72 Versuchen zur Auswertung zur Verfügung. Im Weinbau und im Hopfenbau konnten noch keine neuen Versuche in die Auswertungen übernommen werden.
Zwischen den an der Zulassung der Pflanzenschutzmittel beteiligten deutschen Behörden wurde vereinbart, zukünftig in Anlehnung an die in der FOCUS-Gruppe (Surface Water Scenario Group) festgelegte Vorgehensweise nicht mehr das 95. Perzentil sondern das 90. Perzentil zu verwenden.
Die Ausdehnung der Versuche auf Messentfernungen bis 100 m erlaubt es, mit Hilfe einer Regressionsanalyse eine Ausgleichsfunktion zu ermitteln, die in gewissen Grenzen auch eine Extrapolation auf größere Entfernungen erlaubt. Als Ausgleichsfunktion bietet sich eine Potenzfunktion an, die bei doppelt-logarithmischer Darstellung einen linearen Kurvenverlauf aufweist. Die allgemeine Funktionsgleichung lautet: Y = a* Xb,
wobei y das Bodensediment in % in der Entfernung x in m ist. a und b sind Parameter, die für jede Kultur aus den Messwerten separat ermittelt werden müssen. In den Kulturen Obst- und Hopfenbau lässt sich die Anpassung nicht mit einer Funktion durchführen, daher musste hier eine Aufteilung in die Entfernungsbereiche 3 bis 10 m und 15 bis 250 m vorgenommen werden. Die Höhe der Pflanzen bewirkt hier einen ausgeprägten Windschatten, der zu einem anderen Verlauf der Sedimentation gegenüber dem Acker- und dem Weinbau führt. Für den Obst- und Weinbau wurden die Abrifteckwerte getrennt für frühe und späte Entwicklungsstadien ermittelt, da sich hier einerseits erhebliche Unterschiede im Abdriftniveau zeigten, was auf die jeweils verwendete Gerätetechnik zurückzuführen ist und andererseits einige Pflanzenschutzmittel nur in frühen oder nur in späten Entwicklungsstadien angewendet werden.
