Verbundprojekt zur „Erarbeitung von integrierten Pflanzenschutzverfahren gegen Bodenschädlinge"
Seit Anfang 2008 fördert das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) einen Forschungsverbund zur Erarbeitung von integrierten Pflanzenschutzverfahren gegen Bodenschädlinge. In sechs Teilprojekten werden verschiedene Aspekte der Biologie und Ökologie von Schädlingen und Nützlingen sowie Verfahren zur Bekämpfung untersucht. Die Projekte werden zentral vom Julius Kühn-Institut (JKI) Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, Institut für Pflanzenschutz in Gartenbau und Forst, koordiniert. Es handelt sich um ein EH-Forschungsverbund, d.h. ein Forschungsvorhaben zur Deckung des Entscheidungshilfebedarfs im BMELV, das dieses Projekt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) finanziert.
Allgemeine Problemstellung
Bestimmte Bodenorganismen, z.B. Drahtwürmer und Rüsselkäfer, haben in den letzten Jahren in verschiedenen Kulturen als Pflanzenschädlinge an Bedeutung gewonnen. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. So haben z.B. Verbraucher heute einen höheren Anspruch an die Produktqualität, und Landwirte haben ihre agronomische Praxis weiterentwickelt (z.B. Bewässerung, Flächennutzung, Bodenbearbeitung). Darüber hinaus begünstigen veränderte klimatische Bedingungen (z.B. milde Wintertemperaturen) das Überleben von vielen Bodenorganismen in der Kulturlandschaft. Auf der anderen Seite ist die Auswahl an Bekämpfungsverfahren begrenzt, d.h. Pflanzenschutzmittel stehen nur begrenzt oder gar nicht zur Verfügung, und der effektive Einsatz von natürlichen Gegenspielern ist auf wenige Schädlingsarten beschränkt.Gegen Drahtwürmer kommen nur präventive Maßnahmen in Frage, realistische kurative Strategien stehen nicht zur Verfügung.
Ziele
Ziel des Verbundvorhabens ist es, integrierte Bekämpfungsmaßnahmen gegenüber Bodenschädlingen weiter zu entwickeln. Die Forschung zu nichtchemischen Pflanzenschutzmaßnahmen, insbesondere die Suche nach biologischen Pflanzenschutzmaßnahmen, soll als ein Element des Integrierten Pflanzenschutzes vorangetrieben werden. Der Forschungsverbund greift die Ziele des „Nationalen Aktionsplans zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln“ auf und ist somit ein wichtiger Bestandteil des Aktionsplans, nap.jki.bund.de. Neue Erkenntnisse zu biologischen Verfahren sollen außerdem in die Weiterentwicklung einer guten fachlichen Praxis im Pflanzenschutz einfließen. Neben Drahtwürmern (Familie Elateridae) und Erdraupen (Gattung Agrotis), die Qualitäts- und Ernteverluste in Kartoffeln und Gemüsekulturen verursachen, bilden Rüsselkäfer (Familie Curculionidae) in diesem Verbundprojekt einen Schwerpunkt. Ein entsprechender Befall durch die Käfer hat erhebliche Schäden im Hopfenanbau sowie in Gartenbaukulturen zur Folge.
Aufgaben Koordination
- Wissenschaftliche Begleitung und intensive Betreuung der Einzelprojekte
- Literaturrecherchen und Hilfestellung bei der Literaturbeschaffung
- Aufbau und Pflege einer Internetseite mit Informationen zum aktuellen Stand der Projekte
- Organisation und Durchführung jährlicher Koordinationstreffen
- Redaktionelle Bearbeitung der Verbundzwischenberichte und des Verbundabschlußberichts (Gesamtzusammenfassung, Kommunikation, Verwertbarkeit)
Titel der Teilprojekte
Themenkomplex Rüsselkäferlarven
1. Bodenrüssler als Schädlinge im Garten- und Hopfenbau – Erfassung des Artenspektrums und Untersuchungen zu Bekämpfungsmöglichkeiten als Grundlage zur Entwicklung gezielter Bekämpfungsstrategien (Curci – Sprick)
2. Erarbeitung von integrierten Pflanzenschutzverfahren gegen Luzernerüssler Otiorhynchus ligustici im Hopfenbau (LfL – Engelhard)
3. Optimierung und Erweiterung des Nematodeneinsatzes gegen Dickmaulrüssler (Otiorhynchinae) und andere Bodenschädlinge (LWK SH – Wrede)
4. Erarbeitung von Pflanzenschutzkonzepten gegen den Gefurchten Dickmaulrüssler (Otiorhynchus sulcatus) in Gartenbaukulturen unter besonderer Berücksichtigung des Einsatzes und dauerhaften Etablierung entomopathogener Pilze im Bestand (FA Geisenheim – Reineke)
Themenkomplex Drahtwürmer und (Erdraupen)
5. Erarbeitung von Basisdaten zur Drahtwurmprognose (ZEPP – Kleinhenz)
6. Erarbeitung von integrierten Pflanzenschutzverfahren zur Bekämpfung von Drahtwürmern und Erdraupen im Gemüsebau (GKZ – Richter)
